Wetter im Weinberg 1. Halbjahr 2024 (51)
Von Matthias C.S. Dreyer
- 5 Minuten - 961 WörterDie Halbjahresbilanz für den ersten Teil des Jahres 2024 zeigt für den Kalmitweinberg eine Auffälligkeit. Sie war sehr gravierend. Im April erfror ein Großteil unserer Reben.

Bilder: Erfrorene Austriebe am Rebstock.
Den Verlauf über die Monate Januar bis Juni schildert Christian Müller (Klima-Palatina) wie folgt:
Januar 2024
Die Wetterküche brachte im Januar Regen & Sturm, sowie Schnee & Glatteis
Auf der 673 m ü. NN. gelegenen Kalmit registrierten die Wetterfrösche von „Klima-Palatina“ eine Monatsmitteltemperatur von 0,2 Grad. Somit ist der Januar 2024 gegenüber dem Langzeitklimamittel um etwa 1,5 bis 2,0 Grad milder ausgefallen. Auf der Kalmit wurden an elf Tagen Dauerfrost beobachtet, in der Klimatologie „Eistag“ genannt. Mit rund 97 Sonnenscheinstunden auf der Kalmit ist der Januar deutlich überdurchschnittlich sonnenscheinreich ausgefallen. Auf der Kalmit schien dabei am meisten die Sonne, da sich bei einer Inversionswetterlage im Winter in den Niederungen oftmals kompakter Nebel oder Hochnebel ausbildet. In den Gipfellagen des Pfälzerwaldes ist es hingegen zeitglich ganztags sonnig und bei einer niedrigen Luftfeuchtigkeit spürbar milder. In der klaren Luft herrscht eine phantastische Fernsicht. Die höchste Windgeschwindigkeit im Januar wurde am 02. Januar mit orkanartigen Sturmböen der Wind-Stärke 11 bis 113 km/h auf der Wetterstation auf dem Kalmit-Turm registriert. Auf dem Weinbiet wurde zeitglich sogar eine Orkanböe von 129 km/h gemessen.
Februar 2024
Mildester Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – nur ein Frosttag -
Auf der 673 m ü. NN. gelegenen Kalmit registrierten die Wetterfrösche von „Klima-Palatina“ eine Monatsmitteltemperatur von 4,7 Grad, was für diese Höhe vergleichsweise hoch ist. Somit ist der Februar 2024 gegenüber dem Langzeitklimamittel um etwa 6,0 Grad sehr mild ausgefallen. Die kurzen kälteren Phasen Anfang Dezember und Mitte Januar konnten den Wärmeüberschuss des übrigen Zeitraums bei weitem nicht ausgleichen. Auffällig war der Monat Februar. Er war der wärmste Februar seit Messbeginn und übertraf den bisherigen Spitzenreiter aus dem Jahre 1990 um fast ein Grad. In den vergangenen 240 Jahren waren 97 Prozent aller März-Monate kälter als der Februar 2024 gewesen, somit ein neuer Rekord! Auf der Kalmit wurde nur an einem Tag Frost beobachtet. Noch nie zuvor war gab es in der regionalen Klimatologie in einem Februar so wenig Frosttage. Mit rund 59 Sonnenscheinstunden auf der Kalmit ist der Februar in der Pfalz unterdurchschnittlich sonnenscheinreich ausgefallen. Die höchste Windgeschwindigkeit wurde am 22. Februar mit schweren Sturmböen der Wind-Stärke 10 bis 94 km/h an der Wetterstation auf dem Kalmit-Turm registriert. Auf dem Weinbiet wurde zeitglich sogar eine Böe von 111 km/h gemessen.
März und April 2024
Achterbahnfahrt beim Aprilwetter geht weiter
Im April 2007 fiel auf der Kalmit im ganzen Monat gar kein Niederschlag. Ein extremes Witterungs-Phänomen welches davor in einem April zuletzt im Jahre 1893 (!) beobachtet wurde. Damals fiel zwischen dem 21. März und dem 06. Mai kein Tropfen Regen vom Himmel, was immerhin 49 Tage ohne Niederschlag bedeutet. Ein Blick in alte archivierte Wettertagebücher zeigt, dass es sehr trockene April-Monate aber schon öfters gegeben hat. 1865 fielen nur zwei Liter, 1875 waren es vier Liter und im April 1914 lediglich acht Liter als Monatssumme. Absoluter Rekordhalter mit weitem Abstand bleibt somit der April 2007 mit unglaublichen 341,3 Sonnenscheinstunden auf der Kalmit. Eisheilige bringen erst Sonne und später Gewitter In besonderer Erinnerung dürfte der 24. April bleiben, als es mittags auf der Kalmit in hochreichende Polarluft zu Schneeschauern kam. Dabei erfror ein Teil der Weinreben im Versuchsfeld in 661 m. Ü. NN. Nur vier Tage später schien nur diffus die Sonne, denn auch in der Pfalz machte sich eine ungewöhnlich kompakte Sahara-Staub-Schicht breit.
Mai 2024
Regensumme erreicht Rekordwerte
Auf der Kalmit wurden 177 Liter Regen als Monatssumme addiert und selbst in Speyer fielen mit 135 Litern pro Quadratmeter ebenfalls weit mehr als die üblichen rund 70 Litern im langjährigen Klimamittel am Rhein entlang. Am 14. Mai machte sich eine südwestliche Strömung bemerkbar, wobei es an der Wetterstation auf dem Kalmit-Turm mit 21,0 Grad in 690 m ü. NN. nicht ganz so warm wie in der übrigen Pfalz wurde. Mit rund 161 Sonnenscheinstunden war es im Mai auf der Kalmit im Pfälzerwald bei lediglich 85% des üblichen Sonnenscheins geblieben. Der meteorologische Sommer beginnt aus statistischen Gründen jedes Jahr am 01. Juni und währt bis zum 31. August. Der astronomische Sommeranfang beginnt in diesem Jahr am 20. Juni. Der späteste Sonnenuntergang auf der Kalmit ist um 21.41 Uhr. Um 22.50 Uhr steht die Sonne an ihrem nördlichsten Punkt im Zenit, genau senkrecht über dem nördlichen Wendekreis. Dann wandert die Sonne langsam wieder zurück zum Äquator, welchen sie dann zum kalendarischen Herbstanfang erreicht hat.
Juni 2024
Der Sommer kommt langsam auf Touren
Am 01. Juni, sprich zum meteorologischen Sommeranfang, blieb der Himmel wolkenverhangen grau in grau und die Höchstwerte stiegen auf lediglich 17,9 Grad in Neustadt, sowie auf herbstlich-kühle 12,8 Grad auf der Kalmit an. In der Folge stellte sich eine insgesamt recht wechselhafte Witterungsperiode ein, wobei längere freundliche Abschnitte sich mit Regenschauern abwechselten. Ungewöhnlich ausgeprägt erlebten die Pfälzer in diesen Juni die sogenannte Schafskälte, welche sich durch das Einsickern ursprünglich polarer Luftmassen aus dem Norden bemerkbar machte. In der Folge bewegten sich die Tiefsttemperaturen am 11. Juni bei sehr frischen 4,7 Grad auf der Kalmit. Solch niedrige Minima-Werte sind im Juni selten. Der Monat Juni ist in der Pfalz gegenüber dem langjährigen um etwa 1,2 Grad nur leicht zu warm ausgefallen. Der Juni verabschiedete sich mit einer kritischen Unwetterlage am 29. Juni. Ausgerechnet abends zum Achtelfinal-Spiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft anlässlich der Europameisterschaft 2024 zog von Süden her eine sogenannte Konvergenz in die Pfalz. An ihr bildete sich eine regelrechte Gewitterkette mit hohem Unwetterpotenzial aus.
Erholung an den Rebstöcken in den letzten drei Monaten
Die Rebstöcke haben sich in den Monaten Mai, Juni und Juli bestens erholt.
Zum aktuellen Stand des Rebenwachstums
Zum Wetter im des gesamten Jahres 2023 am Kalmitweinberg
Eine Vergleichsbetrachtung zu den letzten Jahren finden Sie hier: https://www.klima-palatina.de/wetter-klima.html
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