Bilanz nach einem Jahr (47)
Von Matthias C.S. Dreyer
- 4 Minuten - 724 WörterNunmehr ist ein Jahr vergangen, seit der Kalmitweinberg am 25. April 2023 angelegt wurde.
Die Bilanz
Die Bilanz am Kalmitweinberg nach einem Jahr ist ernüchternd, aber nicht unerwartet. Hans Burckhardt und Adolf Tschirner konnten im Jahre 1935 hoffnungsvoll berichten: “Vor etwa zwölf Tagen erschienen an den Weinstöcken auf der Kalmit schüchtern die ersten grünen Blättchen! Hier oben werden die Trauben niemals reif. Die Beeren bleiben hart und grün und erfrieren in den ersten kalten Nächten des Septembers. Selbst mit einer ganz späten Spätlese ists hier oben „Essig“! Aber diesen kleinen Wingert auf der Kalmit zu schauen, gehört mit zum Erleben dieses großen Berges.”
Im Jahr 2024 müssen wir festhalten: “Soweit sind wir noch nicht gekommen.” Von einer gesicherten “Weinbergslage” sind wir noch weit entfernt. Die “Kalmit” ist in ihrem Wettergeschehen unvorhersehbar. Im Vergleich zur Rheinebene, mit einem durchweg milden Klima und einer “stabilen” und vor allem “vorhersehbaren” Wetterlage, zeigt die Kalmit ein rauhes, unberechenbares Bild. Die zwei Streßfaktoren, Trockenheit im Sommer 2023 und Frost im April 2024 machten den Rebstöcken sehr zu schaffen. Der Jahresverlauf war sehr ungünstig.
Rebstöcke
Von den im April 2023 gepflanzten 40 Rebstöcke haben zum Stand vom 29. Mai 2024 26 Pflanzen überlebt. Einige sind bereits im Laufe des Jahres 2023 abgestorben, so C1, C3, B8 (Sehen Sie dazu die Seiten zu den einzelnen Rebstöcken mit ihrer Entwicklung). Hinzu kamen die Verluste aus den Frostnächten vom 16. bis 18. April 2024. Die genaue “stockweise” Auswertung folgt Anfang Juni 2024.
Die Trockenheit im Sommer 2023
Schon die Trockenphase im Sommer 2023 machte den jungen Rebstöcken zu schaffen. Nur mit zusätzlichen Wassergaben bestand eine Chance zum Überleben. Der Streß, der auf den Reben lastete war unverkennbar. Schon damals waren mindestens drei Ausfälle festzustellen.
Der Austrieb Anfang April 2024
Am 10. April 2024 zeigten sich erste Ansätze. Das warme Wetter regte erste Triebspitzen zum Wachstum an.

Bild: Erste Triebspitzen im April 2024 am Stock Nr. B3.
Der Frost im April 2024
Natürlich hat der Frost Mitte April 2023 auch in der Rheinebene Spuren hinterlassen. Mehr noch an der Mosel, wo mit erheblichen Ernteausfällen zu rechnen sein wird. Aber, es sind mehr oder weniger die bekannten Frostlagen, die den Rebstöcken zu schaffen machten. Auf der Kalmit ist es die exponierte Lage mit dem speziellen Wetter in 661 Metern Höhe. Sie zeigt den Reben ein rauhes, schwieriges Umfeld. So entstanden an mindestens 10 Rebstöcken Frostschäden.

Bild: Frostschaden am Rebstock im April 2024.
Das Mikroklima
Auch das Mikroklima im näheren Umfeld dürfte nicht besonders günstig wirken. Zwar geben die Gebäude um den Weinberg eine geringe “Schutzlage”. Was sich deutlich an den Frostauswirkungen zeigte. Es sind die Rebstöcke A8, A10, B6, B7, B8, B11, C5, C7, C10, C11 und C14, die den Frost nicht überstanden haben. Die kalte Luft zog mittig in die Weinbergslage und betraf insbesondere die Rebstöcke im Bereich A8 bis C10. Die Randlagen waren weniger betroffen. Dies erscheint auch aufgrund der Hauptwetterrichtung von Südwesten nachvollziehbar. Die äußeren Randlagen, also C1, C3 sowie die Rieslingreben hatten bereits vor dem Frost erheblich Probleme.
Referenzpflanze
Unsere Referenzpflanze, der Fliederstock hinter dem Zaun im Norden der Weinbergsanlage, hatte kaum eine Chance im Frühjahr Blüten auszubilden. Auch ihn traf der Frost frontal. Aufgrund seines Alters konnte er jedoch die zwei Nächte gut überstehen.

Bild: Referenzpflanze “Flieder” im April 2024.
Bestandsaufnahme vom 29. Mai 2024
Folgende Rebstöcke sind abgestorben: A3, A8, A10, B6, B7, B8, B11, C1, C3, C5, C7, C10, C11, C14. Sie werden durch neue Rebstöcke ersetzt. Das macht in der Summe 14 Rebstöcke.
Ausgetrieben haben: A1, A2, A4, A5, A6, A7, A9, B1, B2, B3, B4, B5, B9, B10, B12, B13, B14, B15, C2, C4, C6, C8, C9, C12, C15. Das macht in der Summe 26 Rebstöcke.
Zum aktuellen Stand des Rebenwachstums
Hoffnung
So schrieb schon Adolf Tschirner in seinem Beitrag im Jahre 1935: “Was man nun in den wenigen Jahren des Bestehens dieses seltsamen Gartens der Natur hier oben abgelauscht hat, gehört mit zu den interessantesten Forschungsergebnissen des Kalmitobservatoriums.”
So wollen wir es auch sehen! Und es geht weiter, ganz im Sinne der erwartungsvollen Beobachtung einer besonderen Lage, dem Kalmitweinberg.

Beide Bilder: Starke neue Austriebe nach dem Frost. Sie geben Anlass zur Hoffnung.
Zum aktuellen Stand des Rebenwachstums