Wetter im Weinberg September 2023 (38sep)
Von Matthias C.S. Dreyer
- 4 Minuten - 662 WörterChristian Müller, Mitglied des Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler) und Geschäftsführer von Klima-Palatina, hat einen Wetterbericht für die Kalmit und den Kalmitweinberg zusammengestellt.

Bild: Drehtag auf dem Weinberg im September, 2023.
Das Wetter im September 2023 auf dem Kalmitweinberg:
Der September startete Dank eines stabilen Hochdruckgebietes mit herrlichem Spätsommerwetter. Diese sogenannte „Omega“-Wetterlage, welche an den griechischen Buchstaben „Omega“ erinnern soll, beschreibt die vorherrschende Wetterlage, bei der ein kräftiges und umfangreiches Hoch über Mitteleuropa einerseits von einem Tief über dem Ostatlantik, sowie von einem anderen Tief über Südost-Europa regelrecht eingekeilt ist, was wiederum für einen längeren Zeitraum bei uns für herrliches, durchweg trockenes und sehr warmes bis heißes Spätsommerwetter sorgen kann.
Auch die Pfälzer Winzer waren über die Großwetterlage mehr als erfreut, denn die sonnenscheinintensive, sowie trocken-heiße Witterungsperiode sorgt bei den Weintrauben nun kurz vor dem Beginn der Weinhauptlese nochmals für erhöhte Oechsle-Grade, sowie allgemein für hervorragende Lesebedingungen beim Befahren der Weinberge durch die Traubenvollernter, da die Böden abgetrocknet und fest geworden sind.
Bereits in der ersten Septemberwoche wurden verbreitet noch offizielle Sommertage erreicht, und danach wurde es immer wärmer, sodass pfalzweit am 12. September eine Hochdruckzone über Südost-Europa mit einer südwestlichen Anströmung für die Zufuhr für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich heißer Luftmassen direkt aus Südeuropa in die Pfalz sorgte. Die höchste Temperatur in der Pfalz wurde dabei in Römerberg mit 33,1 Grad Celsius. Selbst die Wetterstation auf dem Kalmit-Turm ganz oben in 690 m ü. NN. meldete einen Höchstwert 27,2 Grad Celsius.
Alte Hitzerekorde für den September, wie zum Beispiel die bislang höchste September-Temperatur in der gesamten Pfalz mit 34,2 am 02. September 1953 in Bad Dürkheim oder die 33,6 Grad Celsius vom 13. September 1947 (Limburgerhof) blieben jedoch unberührt.
Was die Monatsdurchschnittstemperatur betrifft, so war der September mit 19,7 Grad Celsius in der Südpfalz nicht nur pfalzweit, sondern sogar auch deutschlandweit der wärmste September seit Beginn regionaler Wetteraufzeichnungen in der Kurpfalz in Mannheim im Jahre 1782. Gegenüber dem langjährigen Klimamittel von 1991 bis 2020 fiel der September somit in der Pfalz um unglaubliche 4,1 Grad zu warm aus. Selbst auf der Kalmit lag die Monatsmitteltemperatur bei 17,2 Grad. Am Rhein entlang überschritt an 21 Tagen das Quecksilber die 25 Grad-Marke, was einem offiziellen Sommertag entspricht. An zehn Tagen hiervon wurde es sogar heißer als 30 Grad, was den bisherigen Rekord an Hitzetagen vom September 1947 egalisierte.
Die Monatstiefsttemperatur auf der Kalmit wurde am 25. September erreicht, als es bei 6,8 Grad Celsius recht kühl wurde. Frostschäden, wie sie zum Beispiel am 16. September 1979 auftraten, als es Bodenfrost bis minus 1,6 Grad Celsius gab, sind diesjährig im Herbst ausgeblieben.
Nach der Monatsmitte wurde es für ein paar Tage unbeständiger und wechselhaft mit teils gewittrigen Regenschauern.
Auch in der letzten Septemberdekade sorgte ein stabiles Hochdruckgebiet für herrliches Altweibersommerwetter. Der September endet somit heiter, freundlich, durchweg trocken und spätsommerlich-warm. Bei Tagestemperaturen von 26 bis 28 Grad Celsius am Rhein entlang gab es nochmals überall Sonne und Spätsommerwärme satt.
Mit 260 Sonnenscheinstunden (Kalmit-Gipfel), sowie einer hohen Anzahl von 30 warmen Tagen (Maximum über 20 Grad), waren für die Weinlese geradezu ideale Voraussetzungen, was die Witterung betrifft gegeben, was einen erneut recht frühen Start der selbigen diesjährig erlaubte, weil viele Rebsorten bedingt durch die Witterung im Sommer früher reif waren, als sonst üblich. Der absolute Rekordhalter für die meisten Sonnenscheinstunden im September hält übrigens der September 1959. Damals wurden am Rhein entlang sogar 304 Sonnenscheinstunden addiert.
Ein abschließender Blick auf die Niederschlagsbilanz des Septembers: Die Wetterstation auf dem Kalmit-Gipfel bilanzierte 26,3 Liter pro Quadratmeter, was etwa lediglich die Hälfte des langjährigen Regensolls entspricht. Glücklicherweise sind wir von einem total verregneten September wie zum Beispiel 1968 oder 1986, als es jeweils bis zu 104 Liter Regen gab, diesjährig verschont geblieben. Krasses Gegenstück hierzu: Der September 1959: extrem trocken blieb es damals mit nur 0,1 Litern in Speyer, sowie 1,4 Litern in Neustadt an der Weinstraße.
Zum Wetter im Oktober 2023 am Kalmitweinberg
Eine Vergleichsbetrachtung zu den letzten Jahren finden Sie hier: https://www.klima-palatina.de/wetter-klima.html
Zum aktuellen Stand des Rebenwachstums
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