Weinberg - Die Idee (1)
Von Matthias C.S. Dreyer
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So entstand die Idee eines Weinberges auf der Kalmit: Im November des Jahres 2022 stieß Matthias C.S. Dreyer auf einen Beitrag im „Pfälzischen Kurier“, Ausgabe „Die Pfalz“ des Jahres 1935 (Sonntagsbeil.: Die Pfalz. – Neustadt, Haardt: Pfälzische Verl.-Anstalt). Darin beschrieb der Wormser Journalist Adolf Tschirner die meteorologische Station auf der Kalmit.
Meteorologische Station
Eine Rückfrage beim heutigen Betreiber der meteorologischen Station auf dem Kalmitturm, Christian Müller (→ https://www.kalmit.de) brachte Sicherheit. „Ja, die Station wurde in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angelegt.“
In dem Beitrag wurde auch ein Pflanzgarten mit einem Wingert erwähnt. Der Titel des Beitrages lautete: „Ein Wingert in 670 m Höhe“. Der Gedanke nahm Fahrt auf: „Was damals möglich war, müsste auch heute möglich sein.“ Mit einer Veröffentlichung im Nachrichtenblatt der Verbandsgemeinde Maikammer (Ausgabe: 51. Jahrgang, Heft 49/2022, Seiten 24 und 25) wurde die Idee der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Hintergrund liefen bereits die Verhandlungen mit der Ortsgemeinde Maikammer. Schnell fanden sich einige Mitstreiter, die helfen wollten, die Idee eines Weinberges auf der Kalmit umzusetzen.
Der Beitrag in der Textübertragung
“Ein Wingert in 670 m Höhe Besuch im pflanzenklimatischen Versuchsgarten auf der Kalmit Interessante Beobachtungen Von Adolf Tschirner
Einen Garten auf der Kalmit, in dem Blumen, Obst und Reben wachsen? Gibt es denn das? So wird wohl mancher fragen. Ja, es gibt auf dem höchsten Punkte der Kalmit einen Garten und auch einen Wingert. Diese Dinge sind aber nicht ihrer selbst wegen da, sondern stehen im Dienste der Wissenschaft. 1932 wurde der Garten auf der Kalmit angelegt. Man will hier, in Verbindung mit der Arbeit des Observatoriums, die Einwirkungen des Wetters und des Klimas in dieser Höhe auf die Pflanzen studieren. Es soll mit wissenschaftlicher Sicherheit und echt deutscher Gründlichkeit festgestellt werden, um wieviel später in dieser Höhe die Pflanzen grünen, blühen und gedeihen. Was man nun in den wenigen Jahren des Bestehens dieses seltsamen Gartens der Natur hier oben abgelauscht hat, gehört mit zu den interessantesten Forschungsergebnissen des Kalmitobservatoriums.
Wir ließen uns vom Wetterwart, Assessor Burghardt, etwas über die Forschungsergebnisse erzählen. Die Beobachtungen haben ergeben, daß hier in 670 Meter Höhe der Wachstumsunterschied gegenüber den Pflanzen unten in der sonnigen Ebene sechs bis acht Wochen ausmacht. Vor etwa zwölf Tagen erschienen an den Weinstöcken auf der Kalmit schüchtern die ersten grünen Blättchen! Hier oben werden die Trauben niemals reif. Die Beeren bleiben hart und grün und erfrieren in den ersten kalten Nächten des Septembers. Selbst mit einer ganz späten Spätlese ists hier oben „Essig“! Aber diesen kleinen Wingert auf der Kalmit zu schauen, gehört mit zum Erleben dieses großen Berges.
Im Garten selbst siehts nun freilich seltsam genug aus! Man erkennt – ohne vom Fach zu sein – sofort den wissenschaftlichen Charakter dieser kleinen Anlage. Und noch etwas hatte uns überrascht: Die vielen Vergißmeinnicht am Wegrande strahlen in einem Blau, das die bescheidene Pflanze in der Ebene nicht auszeichnet. Denn die ultraviolette Strahlung ist in dieser Höhe größer und macht die Farben der Pflanzen intensiver. Diese Strahlungswirkungen sind es, die man in diesen Garten genau untersucht. Da stehen Gladiolen vor einem schwarzen und einem weißen Halbzylinder. Die Pflanze vor dem schwarzen Hintergrund wächst langsamer als die Nachbarin vor der strahlend weißen Rückwand. Wetterharte Pflanzen, Gräser und Moose gedeihen prächtig. Im kleinen Alpinum des Gartens sind Edelweiß, Enzian und wie die würzigen Alpenblumen und Kräuter alle heißen, in dieser Höhe in ihrem Element. Dagegen siehts bei den Getreidearten traurig aus. Die anspruchsvollen Halmfrüchte des deutschen Landmannes kommen in dieser Höhe nicht recht vorwärts. Auch die Rosen, die in der Ebene in allen Farben duften und blühen, haben eben die ersten Knospen angesetzt. Das alles wird genau beobachtet und notiert, und die Ergebnisse werden dem Reichswetterdienst zugeleitet, der sie im Interesse der Landwirtschaft und der Gartenbaubetriebe verwertet.
Die neuste Errungenschaft im pflanzenklimatischen Garten ist die Taumessung. Die Tauwaage aus Roßhaaren ist ein zierliches Instrument. Mit ihr kann festgestellt werden, wie der Tau mengenmäßig fällt. Diese Beobachtung soll dem Weinbau dienen und in höheren Lagen für die Erziehungsart der Rebenstöcke ausschlaggebend sein.
Pflanzen, Bäume und Sträucher im Dienste der Wissenschaft beherbergt der Garten auf der Kalmit. Und beim Durchschreiten dieser Anlage, beim sinnenden Verweilen vor den interessanten Pflanzen, bekamen wir unbedingte Achtung vor der Gründlichkeit deutscher Wissenschaft, deren Ergebnisse aus ständigen Beobachtungen dem Volksganzen zugute kommen!”
Ranking in der Höhe
Es ging auch um die Frage: „Könnte der neue Weinberg der höchst gelegene Wingert Deutschlands sein?“. Später zeigte sich: Leider, nein. Der höchst gelegene Weinberg in Deutschland liegt im Allgäu. Siehe dazu:
Tabelle zur Höhenlage der Weinberge
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